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Kreuztracht

KreuztrachtKarfreitag, den 21.3.2008
Kreuztracht 2008

Über die diejährige Kreuztracht wurde ein Artikel in der Meppener Tagespost veröffentlicht.




"Das Kreuz zeigt, was im Leben wirklich trägt"

MEPPEN. Für den unbekannten barfüßigen Mann, der am gestrigen Karfreitag bei der traditionsreichen Meppener Kreuztracht die schweren kantigen Holzbalken trug, wurde der Gang durch die Meppener Innenstadt bei Regen und Kälte in der Tat zu einem Leidensweg.

Trotz des unwirtlichen Wetters säumten wieder viele Menschen aus nah und fern die Straßen der Kreisstadt, die alljährlich am Karfreitag zur "Via Dolorosa" werden. Viele folgten dem Kreuzträger: schweigend, betend, nachdenklich und ergriffen. Die Meppener Kreuztracht, im Jahr 1647 von Jesuiten ins Leben gerufen, wird in der Propsteikirche mit einem Wortgottesdienst eingeleitet. Domkapitular Heinrich Silies aus Osnabrück stellte seine Predigt unter das Pilatuswort, das dieser gesprochen hat, als er den gequälten und verhöhnten Jesus dem Volk vorstellte und ihn schließlich zur Kreuzigung freigab: "Seht, da ist der Mensch."

Mit diesem Hinweis habe Pilatus dem Kreuz ungewollt "wie durch auf einer Anschlagtafel veröffentlichte Bekanntmachungen" eine neue Bedeutung gegeben. Gottes erste "Bekanntmachung" sei ein Fingerzeig auf die Menschen: "So können sie sein: Nicht nur, dass sie jemanden kreuzigen, sie tun es nach ihrer Überzeugung guten Gewissens." Der Prediger erinnerte in diesem Zusammenhang an aktuelle Geschehnisse in der Welt, wo Menschen für persönliche und öffentliche Ziele gequält und ermordet werden: in Europa, in Afrika, in Tibet.

Heinrich Silies verwies auch auf die Einstellung zum ungeborenen Leben: "Jedes Kreuz mahnt zur Ehrfurcht vor dem Menschen und vor Gott." Eine weitere "Bekanntmachung" Gottes lenke den Blick auf das Zeichen des Kreuzes. Die Linie von unten nach oben zu Gott – sei die bedeutsamere, weil sie die vom irdischen Denken geprägte Querlinie trage. "Durch seine Auferstehung hat sich Jesus als der Stärkere, die Vertikale, erwiesen. "Das Kreuz zeigt, was im Leben wirklich trägt", sagt der Prediger. Mit einer dritten "Bekanntmachung" bekenne sich Gott durch das Kreuz zu seiner über den Tod hinausreichenden Menschenliebe.

Der Mensch erwidere diese Liebe, indem er sich durch das Kreuzeichen seine Zugehörigkeit zu Christus bekunde. Fünfmal stürzt der Schmerzensmann unter der Last des Kreuzes auf das harte Pflaster. Sein Weg endet an der Kreuzigungsgruppe neben der Propsteikirche. "Das Kreuz ist mit der Auferstehung verbunden: Deshalb dürfen Christen Karfreitag feiern", sagte der Kommentator

Aus: Meppener Tagespost vom 22.3.2008








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