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| Die Propsteikirche
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| Vorderansicht der Kirche |
Propsteikirche:
St. Vitus, Conpatronin St. Margaretha
Erbaut 1461-1471; von der Vorgängerkirche des 13. Jh. wurde die Nordwand des östlichen Seitenschiffjoches
mit ihrem Portal einbezogen. - Dreischiffige niedrige gotische Hallenkirche mit
ursprünglich fast quadratischem Grundriß, hohen dreiteiligen Maßwerkfenstern und
Chor mit 5/8-Schluß.
1866-1869 wurden die Seitenschiffe nach Westen um ein
viertes Joch verlängert; mit den Seitenschiffen in einer Front wurde der
Westturm - damals mit hohem Spitzhelm - errichtet (Architekt J. B. Hensen,
Sögel). Am 7.4.1945 erlitt die Kirche schwere Schäden durch Artilleriebeschuß
und konnte bis 1949 nicht genutzt werden.
Bei der Instandsetzung 1945-1950 erhielt der Turmstumpf - der Helm war zerstört - ein niedriges Faltdach
(Architekt Prof. D. Böhm, Köln). Renovierung und Umgestaltung des Chorraumes
1981-1983. 550 Sitzplätze. Drei Bronzeglocken (des - es - f); 1643
im Propsteigarten (Christinenschanze) von Fr. und P Nemony gegossen.
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| Innenansicht |
Orgel: 1991 neue Orgel von Fa. Hillebrand, Hannover, mit 38 Registern.
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| Orgel |
Kunstwerke:
Überlebensgroßer Kalvarienberg auf der Nordseite des Kirchplatzes (Baumberger Sandstein, 1517, Jöste Beldensnyder Münster; Ergänzungen des 17. und 19. Jh.)
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| Kreuzigungsgruppe |
lebensgroße Madonna (Sandstein, Mitte 17. Jh.)
Pietà (um 1685, J. M. Gröninger zugeschrieben)
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| Pietà |
Vesperbild (Baumberger Sandstein, 1685)
Ziborium (silbervergoldet, 1699, J. Zeckel Augsburg)
Kreuzwegstationen auf dem Kirchhof (1715)
St. Josef (Holz, Anfang 18. Jh., Th. Joellemann Quakenbrück)
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| St. Josef |
Kelch (silbervergoldet, um 1760, Augsburg)
Kelch (silbervergoldet, 1766)
vier Altarleuchter (Silber, 1781)
Monstranz (2. Hälfte 18. Jh., Meister HI Augsburg)
Ewige Lampe (Messing, klassizistisch)
Christus am Ölberg (Öl, klassizistisch)
Seitenaltar / Marienaltar
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| Seitenaltar / Marienaltar |
St. Vitus (Holz, um 1830)
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| St. Vitus |
neugotischer Hochaltar (Holz, 1902, H. Seling Osnabrück).
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| Hochaltar |
Karfreitagsprozession: Seit 1647 ist eine
Karfreitagsprozession (Kreuztracht) überliefert, an der Gläubige aus der näheren
und weiteren Umgebung teilnehmen.
Die Geschichte der Propsteikirche - Weitere Infos
Die Pfarrkirche
Unter den öffentlichen Gebäuden der Stadt ist zunächst die katholische Pfarrkirche zu nennen.
Der jetzige Bau entstammt dem Ende des 15. Jahrhunderts.
Nach einer Inschrift an der östlichen Außenseite des Chores wurde dieser begonnen am Tage der Martyrer Nereus, Achilleus, Pankratius (12. Mai) 1461; eine beim Umbau der Kirche im 19. Jahrhundert verloren gegangene Inschrift über der Südtür gab als deren Baujahr 1470 an.
Indes schon im Jahre 1448 machte der Kirchenrat bei dem damaligen Kirchherrn Heinrich Stedingh eine Anleihe von 50 Gl. für den Bau und die Ausschmückung der Kirche, so daß wir annehmen müssen, daß die Gesamtausführung des Baues eine geraume Zeit in Anspruch nahm, und in Meppen ebenso wie anderswo der Bau der Kirche nur nach Maßgabe der vorhandenen Geldmittel gefördert wurde.
Um die Ausschmückung der Kirche bemühte sich besonders der Kirchherr Johannes Smedes (Fabri) gegen Ende des 15. Jahrhunderts, der durch den befreundeten Kardinal Rovericus für alle, die zur Ausschmückung der Kirche beisteuerten, an bestimmten Tagen einen Ablaß erwirkte. Neue Glocken konnten erst im Jahre 1521 angeschafft werden. Die Kirche ist ein ansehnlicher, aus Sandsteinquadern ausgeführter dreischiffiger Hallenbau von mäßiger Höhe; im Osten ist ein einschiffiges, dreiseitig abgeschlossenes Chor vorgelegt. Jedes Schiff des Mittelbaues hatte früher nur drei Gewölbejoche, so daß die Länge nicht in gutem Verhältnisse zur Breite stand. An der Nordseite gegen das Chor hin findet sich der Rest eines schönen Portales; es bildete einst das Prozessionstor. Die Kirche trug anfangs für die drei Schiffe nur ein gemeinsames Dach mit einem Türmchen für die Meßglocke.
Der Westturm galt durch seine stattliche Höhe als eine Zierde des Emslandes. Am 3. Februar 1643 wurde die Kirche ein Raub der Flammen, ein Blitzstrahl traf den Turm, zündete, Turm und Dach der Kirche wurden zerstört, das Gewölbe der Kirche wurde zerstört, das Gewölbe des Chores stürzte ein, die Glocken gingen verloren.
Um die Mittel zur Wiederherstellung zu gewinnen, mußte der Kirchenrat den kirchlichen Silberschmuck und mehrere kostbare Gefäße veräußern. Die Kirche erhielt jetzt ein dreifaches Dach, der Dachreiter mit Meßglocke verschwand, der Turm konnte aber in der früheren Höhe nicht wieder ausgebaut werden, er erhielt eine niedrige, unansehnliche Spitze.

Die Propsteikirche mit dem Kalvarienberg im Vordergrund
nach dem durch Blitz verursachten Brand (3. Februar 1643)
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Die beiden Meister Franz und Peter Hemon gossen in der Christinenschanze 4 neue Glocken, deren herrlicher, harmonischer Klang noch jetzt in die Ebene des Emslandes hinausschallt. Sie sind dem Weltenerlöser, der Gottesmutter Maria, dem hl. Vitus und der hl. Margaretha, sowie dem hl. Matthias geweiht.

Die Turmseite der Propsteikirche nach der Verlängerung der Seitenschiffe und Errichtung des neuen Turmes durch den Osnabrücker Domarchitekten Hermann Hensen in den Jahren 1865-1868
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Seit dem Jahre 1870 erhebt sich an der Stelle des alten ein neuer, im gotischen Stile prächtig aufgeführter Turm. Das schöne Westportal desselben hat an dem Mittelpfeiler die Statue des hl. Martyrers Vitus, in den Laibungen acht Apostelfiguren, im Bogenfelde über den beiden Türen den Gekreuzigten und zu dessen Seiten wieder vier Apostel. Oben geht der Turm ins Achteck über, trägt einen reichen Fialenschmuck und schloß mit einem achteckigen Helme ab. Bei dem Neubau des Turmes wurden die Seitenschiffe um ein Gewölbejoch nach Westen hin verlängert, so daß der Turm von je einem Seitenschiffgewölbe eingeschlossen ist. In den folgenden Jahrzehnten ist die Kirche auch im Inneren durch einen Kreuzweg in Sandsteinreliefs, durch neue Seitenaltäre (1895) und vor allem durch den prächtigen Hochalter (1895) - Werke des Osnabrücker Bildhauers Seling - ausgeschmückt worden. Finanziert wurden diese Arbeiten im wesentlichen durch einen Sohn der Stadt Meppen, den Reeder und Begründer der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft, Kommerzienrat W. v. Riedemann. Der Altar, als gotischer Flügelaltar aufgebaut, gibt in reicher vielfarbiger holzgeschnitzter Ausstattung eine Darstellung des Lebens Jesu Christi.
Alte Kunstwerke sind in der Pfarrkirche nur noch in geringer Anzahl vorhanden. Religions-, Kriegs- und Gewitterstürme sind über sie hinweggebraust, so im Jahre 1795, als die Kirche beim Rückzug der englisch-hannoverschen Armee von dem französischen Revolutionsheer als Pferdestall diente; zuletzt im Jahre 1945, als sie noch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges durch Bomben und Granaten der vorrückenden alliierten Truppen (u.a. wurden der Turmhelm - weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt - und das Dach, in Brand geschossen), schwer beschädigt wurde.
Der Schmerzensmann und die Madonna im Innern der Kirche am nördlichen Nebeneingang sowie der Kalvarienberg vor der nördlichen Seitenwand sind Kunstwerke von hohem Rang. Eine Pieta neben dem Haupteingang und eine bronzene Grabplatte neben dem Marienaltar erinnern an die Richterfamilie von Morrien, in deren Hand 200 Jahre lang das Amt des Richters in Meppen und Haren lag.
Die Kirche erhebt sich auf derselben Stätte, auf der Karl der Große im Jahre 802 eine Abteikirche angelegt hatte, die den Vorrang vor allen Kirchen des Emslandes besaß. Die Abtei Meppen, die an der Stelle der jetzigen Propstei lag, war der Stützpunkt für das noch junge Christentum an den Ufern der Ems. Von hier aus gingen und fuhren und ritten bei Sonnenschein und Regen, bei Sturm und Hochwasser die Söhne des hl. Benediktus als seeleneifrige Missionare nach Lathen und Aschendorf, nach Sögel und Werlte, nach Hesepe und Wesuwe, und sahen zugleich als Pioniere materieller Kultur auf den Corveyschen Höfen nach dem Rechten. Auch nach der Selbstständigmachung der Außen-Pfarren verblieb dem Propst zu Meppen das Vorschlagsrecht bei Erledigung aller Pastorate, die von Corvey abhängig waren. Übrigens wohnten die Pröpste bis zur Erhebung Meppens zur Stadt (1360) auf dem benachbarten Kollhofe.
(Aus: "Meppen und seine Bürger in alter Zeit", einer im Jahre 1909 veröffentlichten Heimatschrift von Professor Hermann Wenker, Meppen, 3. Auflage 1978) |
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