Propsteigemeinde St. Vitus
in der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Süd

Propsteigemeinde St. Vitus • in der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Süd

Geschichte der Propsteigemeinde

Gemeinde und Kirche im Wandel der Zeiten

Etwa gleichzeitig mit Osnabrück wird um das Jahr 780 die Missionsstation Meppen gegründet, und zwar von dem Missionszentrum Utrecht aus, von dem aus angelsächsische Mönche seit dem 7. Jahrhundert die Christianisierung vorantreiben. Dies lässt sich auch daran ablesen, dass die Hl. Margaretha – eine Christin aus Antiochia, die zu Beginn des 4. Jahrhunderts enthauptet wird und zu den Nothelfern der Kirche zählt – zur Patronin der Kirche erkoren wird. Die an der Stelle der heutigen Kirche errichtete hölzerne Taufkirche wird zur Propsteikirche, nachdem Ludwig der Fromme (778-840), Sohn Kaiser Karls des Großen, die Missionszelle Meppen im Jahr 834 dem Benediktiner-Kloster Corvey schenkt. Im Zuge der Übertragung der Gebeine des Hl. Vitus – einem ebenfalls frühchristlichen Märtyrer aus Sizilien, der um das Jahr 304 als Kind in Lucanien wegen seines Glaubens zu Tode kommt und wie Margaretha als Nothelfer der Kirche verehrt wird – im Jahr 836 aus der Nähe von Paris nach Corvey wird die Kirche seinem Patronat unterstellt, die hl. Margaretha wird zur Konpatronin, das ist sie bis heute. Der Abt des Klosters ernennt den Leiter der Missionszelle zum Propst, also zum Vorsteher, lat. „praepositus“, der umliegenden Pfarreien. Noch vor dem Jahr 900 kann man von der Errichtung eines Steinbaus ausgehen.

Von der um 1226 erbauten romanischen Basilika in Kreuzform ist heute noch das der Altstadt zugewandte Nordportal erhalten. Es wird zu Beginn der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts aufwändig restauriert. Das neue Bronzetor des Bildhauers Heinrich-Gerhard Bücker zeigt Themen aus der Offenbarung des Johannes.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Meppen wächst auch die Bedeutung der Propsteikirche. Der entscheidende Schritt zur Stadtwerdung Meppens war das 1360 vom Bischof von Münster verliehene Befestigungsrecht. In der Zeit von 1461 bis etwa 1470 wird die Kirche zu einer dreischiffigen niedrigen gotischen Hallenkirche aus Sandsteinquadern mit fast quadratischem Grundriss erweitert. Im Osten wird ein dreiseitiger Chor vorgelagert.

Bild: Die Nordseite der Propsteikirche mit der Kalvariengruppe nach der Wiedererrichtung nach einem Brand im Jahr 1643

Auch die Reformation zeigt sich in Meppen. 1543 schließt man sich wie das übrige Niederstift der lutherischen Lehre an. Die Bestrebungen, das Emsland im Zuge der Gegenreformation für den katholischen Glauben zurück-zugewinnen, gehen dann ab 1612 wiederum von Meppen aus, und zwar engagieren sich hier vor allem die Jesuiten. Die Stadt selbst ist im Jahr 1616 wieder katholisch. 1642 gründen die Jesuiten das Gymnasium Marianum-Aloysianum, das heutige Windthorst-Gymnasium.

Von 1866 bis 1870 wird der Kirchenbau nach Westen hin um einen Jochbogen vergrößert. Außerdem werden der charakteristische achteckige Turm, der mit einem hohen spitzen Helm abschließt, und das neugotische Westportal nach Plänen des Sögeler Dombaumeisters Johann Bernhard Hensen errichtet.

Bild: Die Propsteikirche vor der Zerstörung des Turmes am 7. April 1945

Am 7. April 1945 wird die Meppener Propsteikirche im Zuge der Kriegshandlungen schwer beschädigt. Kanadier beschießen den Turm von Esterfeld aus und er gerät in Brand. Die Kirche wird schwer beschädigt und kann erst im Jahr 1950 wieder als Gotteshaus genutzt werden. Der Kölner Architekt Dominikus Böhm entwirft das neue Faltdach. Der Turm erhält nun eine niedrige Haube.

Umfassende Renovierungs- und Sanierungs-arbeiten, die den Erhalt des geschichtlich bedeutsamen Traditionsbaus sichern und eine an den Erfordernissen der jeweiligen Zeit angepasste Nutzung des Kirchenraumes ermöglichen, werden in den Jahren von 1981 bis 1983 und dann in den Jahren 2007 und 2008 durchgeführt.

Im Zuge der wechselvollen Geschichte hat es immer wieder sog. Abpfarrungen von der Propsteigemeinde St. Vitus in Meppen gegeben, das heißt, es wurden immer wieder Gebiete aus dem Verbund der Propsteigemeinde herausgenommen und zu eigenständigen Gemeinden erklärt:

  • vor 1365: Hesepe
  • vor 1824: Twist St. Georg
  • 1. November 1907: Fullen
  • 1. Juli 1910: Geeste
  • 1. Januar 1922: Schöninghsdorf
  • 1. April 1951: Wekenborg, Vogelpohl und Meppenerfeld nach Bokeloh
  • 1. April 1952: Hemsen
  • 1. April 1953: Meppen-Esterfeld Maria zum Frieden u. Meppen-Neustadt St. Paulus
  • 1. Juli 1957: Teglingen St. Antonius Abt
  • 1. April 1964: Rühle und Rühlermoor
  • 1. März 1967: Varloh-Schleuse und Osterbrock
  • 1. Mai 1985: Schwefingen/Varloh St. Josef

Die Propsteigemeinde St. Vitus, die sich über die Meppener Altstadt und die südlichen Stadtbezirke erstreckt, zählt heute etwa 6000 Mitglieder. Zusammen mit den Gemeinden St. Antonius Abt in Teglingen und St. Josef in Schwefingen/Varloh bildet die Gemeinde St. Vitus die Pfarreiengemeinschaft Meppen-Süd.

Das Pfarrarchiv der Propsteigemeinde umfasst folgende Dokumente:

  • das Taufbuch ab 1648
  • das Trauungsbuch ab 1701
  • das Sterbebuch ab 1648 (mit Lücken von 1665 bis 1679 und von 1693 bis 1700)
  • das Firmbuch ab 1797 (mit einer Lücke von 1877 bis 1891)