Propsteigemeinde St. Vitus
in der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Süd

Propsteigemeinde St. Vitus • in der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Süd

Der heilige Vitus

St. Vitus – ein interessanter Heiliger

Wer war eigentlich der Heilige Vitus, der Schutzpatron unserer Propsteikirche?

Der Heilige Vitus, deutsch Veit genannt, gilt als frühchristlicher Märtyrer. Der Legende nach stammt er aus Mazara del Valla an der Südwestküste Siziliens. Weil er schon als Kind nicht von seinem christlichen Glauben lassen will, wird er von seinem Vater Hylas, einem heidnischen Senator, geschlagen und vor den Richter gebracht, der ebenfalls befiehlt, ihn zu schlagen. Aber dem Richter und seinen Knechten verdorren die Arme, worauf Vitus für sie betet und sie heilt. Der Vater lässt ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen einschließen, die ihn verführen sollen. Als er seinen Sohn dabei durchs Schlüsselloch beobachtet, sieht er ihn von sieben Engeln umgeben und wird blind. Er gelobt darauf hin, einen Stier mit goldenen Hörnern im Jupiter-Tempel zu opfern. Aber erst das Gebet seines Sohnes heilt ihn. Dennoch trachtet der Vater ihm nach dem Leben. Ein Engel jedoch veranlasst schließlich, dass Vitus zusammen mit seinem Erzieher Modestus und seiner Amme Crescentia auf einem Schiff nach Lukanien in Süditalien flieht, wo ihnen ein Adler Brot bringt. Nach anderen Überlieferungen ernährt sie ein Löwe.

Vitus und seine Begleitung werden entdeckt und zu Kaiser Diokletian gebracht. Zwar heilt Vitus den besessenen Sohn des Kaisers, aber er weigert sich auch jetzt, den heidnischen Göttern zu opfern und wird mit seinen Begleitern ins Gefängnis geworfen. Die schweren Eisenplatten, die sie erdrücken sollen, fallen von ihnen ab und Engel erleuchten die Finsternis des Kerkers. Vitus überlebt viele Martyrien durch Wunder: Er übersteht unversehrt ein Bad in siedendem Öl, nach anderen Überlieferungen auch in Blei, Pech oder Harz. Und er zähmt durch das Kreuzzeichen die Löwen, denen er zum Fraß vorgeworfen wird. Auf die Folterbank gespannt, um mit Haken zerfleischt zu werden, zerschlagen Blitze die Martergeräte und ein Erdbeben lässt die Tempel rundherum einstürzen, sodass die Folterknechte und das entsetzt fliehende Volk von den Trümmern erschlagen werden. Engel lösen schließlich Vitus, Modestus und Crescentia von ihren Fesseln und betten sie an einem Flussufer, wo sie ruhen und sanft im Gebet ihre Seelen aufgeben. Adler bewachen ihre Leiber, bis die fromme Witwe Florentia sie findet und bestattet. Diese Ereignisse datiert man um das Jahr 304.

Die Verehrung des Hl. Vitus ist schon um das Jahr 600 belegt. Seine Reliquien werden 583 von Sizilien nach Lukanien in Unteritalien gebracht. Von dort kommen sie 756 nach St. Denis bei Paris, in die spätere Grabeskirche der französischen Könige. 836 werden die Gebeine von St. Vitus aus St. Denis in das neugegründete Kloster nach Corvey übertragen. Und dieser Weg führt über Meppen, sodass die Propsteikirche, die eigentlich der Hl. Margaretha geweiht ist, nun dem Patronat des Hl. Vitus gewidmet wird. Die Hl. Margaretha wird zur Kronpatronin, das ist sie heute noch.
Zentren der Vitus-Verehrung sind u. a. Corvey und Prag, wo sich das Haupt des Märtyrers befindet. An rund 150 Orten werden heute Vitus-Reliquien verehrt, es gibt über 1300 Orte, an denen Vitus Haupt- oder Nebenpatron von Kirchen oder Kapellen ist. Vitus ist auch der Patron unseres Bundeslandes Niedersachsen.

Seit dem Spätmittelalter, also etwa ab dem 14. Jahrhundert, zählt Vitus zu den 14 Nothelfern, also zu jenen Heiligen, die Gott vor ihrem Märtyrertod gebeten haben sollen, demjenigen Hilfe zu gewähren, der ihn in ihrem Namen darum bittet.
Vitus gilt u. a. als Schutzpatron gegen Chorea, also gegen den Veitstanz, einer Erkrankung des zentralen Nervensystems mit schnellen, unwillkürlichen Muskelkontraktionen. Auch für Augen- und Ohrenkrankheiten und bettnässende Kinder ist Vitus zuständig, ebenso bei Unfruchtbarkeit.
Außerdem ist Vitus der Schutzpatron der Jugendlichen, der Gastwirte und Apotheker, der Winzer und Bierbrauer, der Bergleute und Kupferschmiede sowie der Schauspieler und der Soldaten, der Stummen und Tauben.

Der 15. Juni ist der Gedenktag des Hl. Vitus. Vielleicht weil dieser Gedenktag um die Sonnenwende liegt, knüpft sich viel Volksfrömmigkeit an unseren Heiligen: Er hilft bei Unwetter, Blitz und Feuersgefahr und sorgt für die Haustiere, für eine gute Saat und eine gute Ernte. Dies drückt sich auch in zahlreichen Bauernregeln aus: „Nach St. Veit wendet sich die Zeit.“ – „Regnet’s an St. Veit, Gerste nicht leid’s.“ – „Hat der Wein abgeblüht auf St. Vit, bringt er ein schönes Weinjahr mit.“ Und der Hl. Vitus ist zuständig für pünktliches Wach-Werden ohne Uhr: „Heiliger St. Veit / wecke mich zur rechten Zeit; / nicht zu früh und nicht zu spät, / bis die Glocke ... schlägt.“

Während am Mittelpfeiler des Westportals und im linken Bild-Fenster der Apsis unserer Kirche der Hl. Vitus als junger Erwachsener gezeigt wird, stellt uns die um 1830 entstandene Holzplastik, die heute am Pfeiler hinter dem Ambo links im Altarraum platziert ist, einen Jungen vor, hinter dessen linken Fuß ein goldener Hahn hervorschaut, der auf das Thema der Wachsamkeit verweist. Im Christentum wird der den Tag ankündigende Hahn in Beziehung zu Christus als dem Seelenerwecker gesetzt. So wie der Schrei des Hahns das Ende der Nacht signalisiert, hat Christus die Nacht der Sünde und des Todes überwunden. Bekannt ist der Hahn, der Petrus nach seiner Verleugnung Jesu zu Reue und Buße ruft (vgl. Mt 26,20.35; Mk 14,30; Lk 22,34 und Joh 13,38. 18,27). Deshalb gehört der Hahn zu den sog. Leidenswerkzeugen, also zu den Symbolen der Leiden Christi, und ist Sinnbild für den reuigen Sünder. Außerdem wird der Hahn auch als derjenige betrachtet, der am frühen Morgen zum Gotteslob aufruft oder der die Prediger an ihre Pflicht gemahnt, durch Verkündigung und Auslegung der Schrift wie mit einem Hahnenruf Licht in die Finsternis des Lebens zu bringen.
St. Vitus – ein interessanter Heiliger, der für Unbeirrtheit und Glaubenskraft, für Vergebung und Schutz, für Wachsamkeit und Fürsorge steht, also ein Heiliger, der uns auch heute noch viel zu sagen hat – oder?

Aus: Dreiklang. Pfarrbrief der Pfarreiengemeinschaft Meppen-Süd. Ausgabe 4 – Pfingsten 2013, S. 4f.